Casa Udel

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Bye bye 2016

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Zu Beginn dieses Jahres las ich irgendwo davon, ein Einmachglas zu nehmen und immer, wenn mir etwas Gutes widerfährt, etwas – jemand – mich besonders glücklich macht, das aufzuschreiben und den Zettel in das Glas zu legen. Ganz in der Stimmung des ausgehenden Jahres 2015 und der Magie der Rauhnächte, habe ich das getan. Jetzt sitze ich hier zwischen den Zetteln und blicke zurück auf ein Jahr, das ich mit einem Wort beschreibe: AMBIVALENT.

Die Auszählung meiner Zettel ergibt schwache 35 Stück. Im ersten Moment bedrückend wenig. Jeden elften Tag des Jahres etwas Wundervolles erleben, hört sich da schon besser an. Und aufgeschrieben habe ich tatsächlich wirklich vor allem besondere Ereignisse. Da sind Veranstaltungen, die ich besucht habe, in für mich geschneiderten Klamotten mit dem Mann meines Herzens an meiner Seite gemeinsam mit großartigen Freunden: Roleplay Convention in Köln, Maker Faire in Dortmund. Da sind zauberhafte Erlebnisse, die ich mit den Kindern haben durfte: eine Familienkarte im Museum kaufen oder gemeinsam mit dem Hund in der Lahn toben.

Begebenheiten, die herausragend sind. Zudem habe ich in diesem Jahr so manches zum ersten Mal getan. Etwas, das – für mich – per se extrem erhebend ist und glücklich macht. Symbol dafür war mein Sprung aus einem (intakten) Flugzeug, den ich dann auch noch von lieben Freunden geschenkt bekommen hatte. Ich durfte das Buch eines Freundes als erste lesen, ich habe tolle Menschen getroffen, mit ihnen Zeit verbracht und außergewöhnliche Dinge gelernt wie Knochen schnitzen und Binsenkörbe flechten.

Beim Lesen der wenigen Zettel fallen mir weitere Dinge ein, die ich nicht aufgeschrieben habe. Schöne, wilde, erhebende, beglückende Dinge… Warum nur habe ich sie nicht notiert? Und dann fällt mir die andere Seite des Jahres ein. Meines Jahres, das mitten in meiner depressiven Episode begann, als ich Medikamente nahm und wöchentlich meine Therapeutin sah. Vielleicht eine Art Idee hatte, wie es weiter gehen könnte in Sachen Alltag, Arbeit, Zukunft, aber mehr nicht. Ich frisch verliebt war in jemanden, der 200 km weit weg lebte in einem Umfeld – Großstadt – das für mich nach meinen Erfahrungen in dem Jahr davor völlig unvorstellbar für mich war. Einerseits also Glück und Liebe auf der anderen dann Angst, es gleich wieder zu verlieren, es nicht zu verdienen oder halten zu können.

Dann entfaltete sich 2016 vor mir. Und um mich her – privat wie öffentlich – passierte eine Katastrophe nach der nächsten. Große, kleine, persönliche, politische. Doch ich hatte eine Idee, einen Plan. Mein Herz kam zur Ruhe, weil der beste Kerl von allen hier eine Arbeit fand und … blieb. Ich war motiviert, glücklich, setzte die Medikamente ab, sah meine grandiose Therapeutin seltener und dachte, mein Leben, meine Energie nähmen Fahrt auf. Doch dann kamen die Einschläge näher und berührten auch mein Leben. Wenige so offensichtlich wie an dem Tag, als ich einen Freund tot in seinem Haus auffinden und mich der Frage stellen musste, ob ich es hätte verhindern können.

Zipperlein, Wechseljahre, Verletzungen, Sorgen um geliebte Menschen und Hilflosigkeit angesichts von Veränderungen durch Alter und Demenz waren ein großes Thema in der zweiten Jahreshälfte, mit dem ich mich selbst behinderte und mir Energie und Lebensfreude raubte. Mein Start in die Selbständigkeit verlief alles andere als so wie geplant und – obwohl äußerlich alles vorhanden, alles optimal schien – war in mir nur Chaos, Angst und Starre. Jeder noch so kleine Rückschlag traf mich wie eine Abrissbirne. Wie viel Zeit habe ich auf innere Dialoge verwandt, um mir klar zu machen, dass doch grade alles total super läuft, ich überhaupt kein Recht habe, mich so hängen zu lassen, ich ein Versager, Weichei, Dummkopf bin… diese Liste ließe sich beliebig verlängern.

Sicherlich kennen viele von Euch genau diese Gespräche mit sich selbst. „Wie kannst du nur, es geht dir doch super, du wirst geliebt, du bist finanziell halbwegs abgesichert, alles läuft in guten Bahnen, nun mach endlich und bekomm den Arsch hoch.“ Manchmal habe ich diese Gespräch auch mit Freunden geführt. Und dann fand ich mich noch undankbarer und schrecklicher. Mein Artikel für die Blogparade hat es dann geschafft, mich ein wenig aus dieser Abwärtsspirale zu holen.

2016 war das Jahr, in dem eine ganze Reihe Veränderungen gipfelten, die schon vor drei, was sage ich vor sechs Jahren begonnen hatten. Von dem Tag an, an dem ich – aufgrund einer schlechten Botschaft – erstmals in dieses dunkle Loch gefallen bin über sehr sehr vieles, das sich in meinem Leben geändert hat: Jobwechsel, Umzüge, Verluste, Enttäuschungen, neue Freunde, Beziehungen, Glück… Ich liebe Veränderungen, doch manche Dinge brauchen auch ein bisschen Zeit, um anzukommen. Das hatte ich erstmals wieder in diesem Jahr. Mein letzter Jahresrückblick ist zwei Jahre alt. Damals war ich alleine, einsam und stand kurz vor dem Umzug hierher nach Hessisch Montana. Jetzt bin ich da und dabei so etwas wie Wurzeln zu schlagen. Es gibt Menschen, die dabei sind, Teil meines Lebens zu werden. Ich habe eine Familie – wenn auch nur Teilzeit – die mich unglaublich glücklich macht. Die Pläne, die ich beruflich habe, könnten der Grundstein sein für eine Arbeit, die so vielseitig ist und mir soviel Raum gibt für Veränderungen, wie es mich glücklich macht.

Ja, ich bin auch froh, wenn 2016 rum ist. Nicht, weil so viele Helden meiner Kindheit gestorben sind, sondern ganz egozentrisch, weil ich glaube und hoffe, dass es der Abschluss einer persönlichen Entwicklung war, die schmerzhaft war, nicht immer leicht (weder für mich noch für die Menschen, die ich liebe und die sie mit mir durchgestanden haben) war, die sehr viel IN mir ablief und weniger in meiner Außenwelt und dir mir ein paar Erkenntnisse beschert hat, die ich hoffentlich so fest verankern kann, dass ich an ihnen gewachsen bin.

Danke an alle, die mich begleitet haben, die mit mir Spaß hatten, gelacht haben, die mit mir geweint haben, gelitten und gebangt. Danke an alle jene, die ich vielleicht nie persönliche treffe, die aber mein Leben „mitlesen“ und manches Mal einfach die richtigen Worte zum rechten Zeitpunkt finden. Danke an alle, die meine Tage mit feuchten Nasen, wackelnden Schwänzen und mächtig stinkenden Fürzen erhellen und an die, die ihre Geschichten erzählen. Danke an meine Familie, die, aus der ich komme und die, zu der ich mich inzwischen zugehörig fühlen darf. Danke an die Menschen, die dieses Jahr neu in mein Umfeld gespült hat …

Das größte Danke geht – Achtung, Kitschwarnung – an den besten Kerl von allen. Wir haben vor einem Jahr immer wieder gesagt, dass wir gemeinsam alles schaffen. Das glaube ich immer noch. Wir lernen voneinander, mal leichter, mal schwieriger. Und das macht mich glücklich. Jeden Tag auf’s Neue – selbst wenn wir mal knurrig aufeinander sind.

So… Tschüss 2016, komm nicht auf die Idee, in den nächsten drei Tagen noch irgend einen Mist zu bauen.

Hallo 2017

Achso, ich werde dieses Jahr auf jeden Fall wieder ein Glas aufstellen und ein Blöckchen daneben legen. Und mal sehen, was da am Ende dann bei rauskommt. Vielleicht ist das auch für Euch eine gute Idee…

Autor: Frau hUhn

Ein Pilger bin ich. Chaos begleitet meine Wanderung.

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