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Die Sache mit dem Loslassen

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Ich komme grade von der Krankengymnastik. Dort gehe ich hin, weil meine Schulter meint, steif sein zu müssen. Das ist so eine Alterserscheinung, arthrotisch vielleicht. Könnte aber auch davon kommen, dass ich im Sommer gestürzt bin. Beim Versuch, nach Jahren nochmal auf die Inliner zu steigen. Die Version mag ich lieber. Weil Rollschuh laufen viel cooler ist als alt sein. Eigentlich ist es egal, weil das Ergebnis ist das gleiche: partielle Steife. Und das mir, wo ich mich doch immer für so beweglich gehalten habe. Und dann sagt meine KG eben auch noch: „Sie müssen loslassen lernen, sonst klappt das nicht.“ Ja… mit dem Loslassen ist das so eine Sache…

In den vergangenen Jahren habe ich mich von so einigem trennen müssen. Ende 2013 habe ich bereits darüber berichtet, wie ich mich von Haus, neu gewonnenen Heimat, Traumjob, vielen vielen Dingen und vor allem Herzmenschen getrennt habe.  Seither bin ich zweimal umgezogen, was immer auch damit verbunden ist, sich zu überlegen, was denn nun in die Kiste und was in die Tonne kommt. Dieses Jahr ist aus meiner Singlewohnung ein Heim für zwei geworden und auch dafür habe ich – mit Freuden – meine Habseligkeiten reduziert. Das klingt doch so, als könne ich ganz gut „Loslassen“.

Dinge sind aber auch nicht das, was mir im Leben das Wichtigste ist. Ich mag es, Bücher zu besitzen, einen gute gefüllten Kleiderschrank (vor allem das Schuhabteil), könnte in Geschirr und Tischdeko schwelgen und will von technischen Spielereien gar nicht reden. Aber wenn ich wählen soll zwischen Dingen und Menschen, trenne ich mich unbesehen von allem. Also die nächste Frage, ob es Menschen gibt, die ich nicht loslassen kann.

Mein Leben war – und ist noch ein wenig – im Umbruch. Menschen begegneten wir und gingen wieder. Manche davon hinterließen Spuren in mir, andere verschwanden wie ein Windhauch, selbst wenn sie einst ein Sturm waren. Auch in diesem Bereich habe ich in den vergangenen Jahren gelernt, ziehen zu lassen, wer ziehen möchte. Manche Freundschaften halten nicht auf Dauer oder auf die Entfernung und manchmal waren vermeintliche Freunde auch nie mehr als eine Bekanntschaft. Dafür durfte ich auch immer wieder erleben, dass es Leute gab die, trotz einer gewissen Distanz, da waren, wenn ich jemanden brauchte – manchmal auch völlig unerwartet.

Menschen bedeuten mir sehr viel. Ich mag sie um mich, ich kommuniziere, kontaktiere und therapiere leidenschaftlich gerne. Der Austausch, die Begegnung und natürlich auch die Bestätigung mit und durch andere ist für mich Energiespender und Lebenselixier. Auch wenn ich – dank an meine Lehrjahre – auch Phasen habe, in denen ich alleine sein kann und es auch muss. Genauso wie ich gelernt habe, gehen zu lassen und allenfalls traurig hinterher zu blicken. Also, was ist es, das ich nicht loslassen kann?

Was manifestiert sich in meinem Körper derart, dass ich nur noch grade eben mit den Fingerspitzen auf den Boden komme, den BH nicht mehr alleine zu bekomme, der Rücken stetig schmerzt und ich mich beim Gehen dabei erwische, wie ich völlig spannungslos daher schlurfe?!? Eine Lösung habe ich für das Rätsel noch nicht. Aber ich arbeite daran. Ich suche weiter.

Vielleicht ist es die „Jugend“, der ich nicht weiter hinterher rennen sollte, weil mit den Wechseljahren ein neuer Lebensabschnitt beginnt? Vielleicht sind es Träume, die ich in einem anderen Leben geträumt habe und die nun veraltet sind? Vielleicht sind es Glaubenssätze, die mir mal geholfen haben, mir nun aber im Weg stehen? Vielleicht ist es Angst, Angst, nicht genug zu sein, Angst, den falschen Weg zu gehen, Angst, zu stolpern und zu fallen?

Kommt Euch das bekannt vor? „Wer los lässt, hat beide Hände frei.“ Zwei Hände, mit denen ich mich ausbalancieren kann, mit denen ich etwas Neues greifen kann, die ich jemandem reichen kann, mit denen ich jemanden berühren kann – auch mich selbst. Das ist, was uns weiter bringt, was uns entwickelt. Das ist, was uns beweglich hält, flexibel. Und dahin möchte ich – wieder – kommen. Also suche ich weiter, was losgelassen werden möchte, sollte, muss. Auch wenn es manchmal harte Arbeit ist.

Was macht ihr, um loszulassen? Wie findet ihr das, wovon ihr Euch trennen müsst? Fällt euch das leicht oder eher schwer? Ich freue mich, von Euren Erfahrungen zu hören.

Autor: Frau hUhn

Ein Pilger bin ich. Chaos begleitet meine Wanderung.

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