Casa Udel

Welcome to the Huhniverse

Eine Art Jahrestag…

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Das Buch der Gesichter erinnert einen immer so freundlich an Dinge „An diesem Tag“, so auch heute. Spannend ist, dass ich seit dem Morgen ein … komisches Bauchgefühl hatte. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht „normal“. Kennt Ihr das auch? So, als sei irgend etwas, das man vergessen hat – ein Termin, ein wichtiger Geburtstag – oder als würde man nervös auf eine Prüfung oder ein anstrengendes Gespräch warten. Als ich mittags dann ein Foto in meinen Erinnerungen sah, wusste ich warum. Heute vor einem Jahr hat irgendwie alles angefangen. 

So ganz stimmt das gar nicht. Angefangen ist nicht der richtige Ausdruck. Passender ist vielleicht, dass vor einem Jahr etwas ausgelöst wurde. Ein Job endete und ich habe mir eingestanden, dass ich womöglich Hilfe brauche, um wieder zu mir zu finden, wieder ich selbst zu werden. Die Diagnose lautete depressive Episode. Früher hätte man wohl Nervenzusammenbruch dazu gesagt. Irgendwie mag ich das Wort. Es drückt aus, dass sich eine Last auf meinen Nerven angehäuft hatte, die zu hoch wurde und mich – und meine Nerven – einfach zusammenbrechen ließ.

Ich wollte mich nie hängen lassen.  Habe mich zusammengerissen. Streckenweise funktioniert. Und sehr viel in den Tiefen meines Kopfes schlicht begraben. Oft genug habe ich laut gejammert oder leise geweint. Bin Wege gegangen, um mich abzulenken, zu verändern, zu vergessen. Mit recht unterschiedlichen Erfolgen.

Vor einem Jahr dann kam der letzte Schlag, so wie die Ohrfeige, die man jemandem verpasst, um ihn aus einer Ohnmacht aufzuwecken. Die Einstellung auf das erste Antidepressivum meines Lebens war … hm … weniger dramatisch als ich es erwartet hätte. Mit einem Tag heftigster Übelkeit und einigen Tagen Schlafstörungen und Herzflattern war der Preis für die Hoffnung nicht zu hoch.  Ich hatte großes Glück eine wundervolle Therapeutin zu finden und zwar sehr kurzfristig. Und ich schluckte Vitamine, Mineralien und Vitalpilze, ich wollte dass sich endlich etwas ändert.

Das hat dann doch noch gedauert. Und heute, nach einem Jahr, fühle ich mich gut, weiß aber auch, dass da noch Baustellen sind. Die Sache mit der Energie könnte besser sein und dieses Gefühl, das mich manchmal beschleicht, dass mich mein Körper verrät, indem er älter wird. Dieses vergangene Jahr hat mich sehr viel gelehrt, es waren ein paar schwierige Lektionen dabei. Und weil es LEBEN ist, sind noch lange nicht alle abgeschlossen.

Ich bin enttäuscht worden, von Menschen, von denen ich es nicht erwartet hätte – und von welchen, bei denen es abzusehen war. Ich habe Personen verletzt, die mich nahe an sich heran gelassen haben und andere, die an meine Seele gerührt haben. Ich bin in meine Vergangenheit getaucht und habe Beziehungen durchleuchtet, die ich schon längst vergessen hatte. Ich habe ein paar Dinge über mich erfahren, die ich nicht für möglich gehalten habe – und die ich teilweise immer noch nicht glaube und manchmal auch gar nicht wissen wollte. Ich habe … nein, ich wurde von der Liebe gefunden. Etwas, das ich so nicht mehr erwartet habe. Zu lieben war nie schwierig für mich, mich geliebt fühlen dagegen sehr.

Mir hat heute jemand gesagt „Es hat alles seine Zeit“. Ich habe eine Zeit hinter mir, in der ganz viel ICH vorkam. Zum einen, weil ich mein Leben alleine managte. Zum anderen, weil ich diese ganzen bunten Fäden, die sich zu dem Wollknäuel meines Lebens verwurschtelt hatten erstmal entwirren musste und nun anfange, sie zu weben. Faden für Faden, Muster für Muster. Ein paar habe ich aussortiert, weil sie vielleicht zu dunkel sind, zerrissen oder verschlissen oder einfach nicht passen. Andere Fäden sind aus dem Zentrum des Bündels weiter nach außen gewandert – und umgekehrt. Es kommen immer wieder neue Farben dazu.

Ein Jahr … klingt soviel, dabei sind es grade mal 2% meiner bisherigen Lebenszeit. Ich werde immer weiter lernen, neue Lektionen, alte wieder auffrischen. Es werden wieder Jahrestage kommen, egal, ob ich sie überhaupt bemerke oder nicht. Heute schaue ich zurück in Demut und Dankbarkeit und klopfe mir auf die Schulter: Schön, dass ich hier bin.

Autor: Frau hUhn

Ein Pilger bin ich. Chaos begleitet meine Wanderung.

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