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Prokrastinieren mit Brennnesseln

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Eigentlich sollte ich an meinem Businessplan schreiben. Uneigentlich habe ich gestern auf der Zeiteninsel gelernt, wie ich aus Brennnesseln eine Schnur zwirnen kann. Das möchte ich gerne mit Euch teilen, weil das eine wichtige Fähigkeit in der kommenden Zombieapokalypse sein könnte, fast jederzeit ein stabiles Seil herstellen zu können.
Ok, ok, danach gehe ich auch direkt wieder an meine „richtige“ Arbeit. 🙂 

Brennnesseln – botanisch Urtica – ist ein absolutes Wunderkraut: Die Blätter können wie Spinat gekocht (und zu dementsprechenden Gerichten verwandelt werden) oder als Tee aufgebrüht werden, die Samen getrocknet und geröstet auf’s Brot gegessen oder gemahlen und als hochwertiges Proteinpulver verwendet werden. Die Fasern der Stengel werden schon seit Jahrtausenden gewonnen um daraus Stoffe zu weben, laut Wikipedia galt der sogenannte Nessel noch um die Jahrhundertwende als das „Leinen der armen Leute“. Brennnesseln sind eine wahre Bienenweide und mit ihnen kann Wolle gefärbt werden. Ein absolutes Allroundgenie.

Ich habe frische Pflanzenfasern abgeschält und diese zu einem feinen Seil verzwirnt. Da hier grade die Schafe durchgezogen sind, konnte ich heute Morgen bequem ein paar Stängel der großen Brennnessel abpflücken, die Blätter waren fast alle abgefressen, so dass ich mich nur ein kleines bisschen die Finger verbrannt habe. Zu Hause dann habe ich die Stiele mit einem Stein weich geklopft. Nicht zu stark, es soll nicht matschig werden sondern nur den Zellverband aufbrechen. Wichtig dabei ist, vor allem die Blattansätze zu zerdrücken, da die sonst später in der Faser „Knubbel“ bilden.

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Uritca diorica – Stängel der großen Brennnessel

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Mit einem Stein, einem Stück Holz oder ähnlichem die Zellstruktur aufbrechen

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Besonderes Augenmerk gilt dabei den Blattansätzen

Nun den Stängel der Länge nach aufschlitzen und ihm denn „den Rücken brechen“, also an einer beliebigen Stelle (ich habe immer etwa eine Handbreit vom unteren Ende aus angesetzt) das holzige Gebilde knicken. Diesen Anteil nun von der Faser abziehen. Das geht mit etwas Gefühl ganz gut und übrig bleibt eine mehr oder weniger lange Faser – bzw. mehrere Pflanzenhautstreifen – und der Holzrest, der bei mir in die Biotonne gewandert ist.

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Flacher Stiel mit der Innenseite nach oben

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„Gebrochener Rücken“ und abgezogene Haut

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Ausbeute von sechs großen Brennnesseln

Ich habe neben den längeren Stücken versucht auch die kleineren abzuziehen, die lassen sich beim Zwirnen problemlos einarbeiten. Et voilá … Brennnesselfasern. Das, was man benötigt, um daraus zu spinnen und weben erfordert allerdings deutlich aufwändigere mikrobiologische Verfahren. Aber für ein schnelles Seil ist es genau richtig.

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Am Anfang sah es noch ein wenig groß aus, aber die Finger gewöhnen sich schnell an die Bewegung

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Wie beim Flechten von langen Bändern auch muss man darauf achten, dass sich nicht die freien Enden verknoten.

Zum Zwirnen nun werden zwei Fasern oder Faserbündel verknotet und nach einem recht einfachen Schema miteinander verzwirnt. Ich habe es mir folgendermaßen gemerkt: Die hintere vom Körper weg verdrillen und über die vordere legen (siehe Video). Wichtig ist, dass beide Stränge immer gegenläufig gedreht werden, damit sie sich verbinden. Wenn eine Seite zu kurz wurde, habe ich einfach eine neue Fasern eingearbeitet.

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Einarbeiten einer neuen Faser

Ergebnis ist ein dünnes Seil, das entweder durch die Verwendung von dickeren Faserbündeln oder durch erneutes Verzwirnen zweier dünner Seile stabiler gemacht werden kann. Wer weiß, wann ich mal unterwegs ganz dringend ein Seil brauche und nur einen Haufen Brennnesseln zur Verfügung habe.

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Es lässt sich sogar so fein zwirnen, dass man damit nähen kann

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Es stehen immer mal kurze Stücke raus, aber insgesamt bin ich zufrieden.

 

Autor: Frau hUhn

Ein Pilger bin ich. Chaos begleitet meine Wanderung.

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