Casa Udel

Welcome to the Huhniverse

Unkrautvernichter

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Frühling liebe ich über alles. Sommer auch. Den Herbst finde ich wunderschön und Winter ist toll. Okay, ich gebe zu, ich bin sowas von gemäßigt, wenn es um Klimazonen geht. Ich bin davon überzeugt, dass das tatsächlich ganz tief in meinen Genen verankert ist. Natürlich schimpfe ich wie jeder andere auch auf schlechtes Wetter oder Dauerregen… Die Veränderungen, die Entwicklungen, das Wunder der ewigen Widergeburt, wenn nach dem Winter mit kahlen Zweigen und kargem Boden die Natur eine Explosion der Farben produziert lässt aber wieder und wieder mein Herz weit werden.

Und jedes Jahr, wenn das erste Grün erscheint, die ersten Pflanzen blühen und alles um mich herum sprießt, frage ich mich: „Da muss man doch was draus machen können…?!“ Und natürlich kann man das. Dieses Jahr habe ich endlich mal wieder ein paar Experimente gemacht, die ich hier mit Euch teilen möchte. Essen wir doch mal wieder etwas „UNKRAUT“. Aufgewachsen mit einem großen Nutzgarten und sehr naturverbunden Eltern sind die meisten Konservierungsmethoden mir vertraut. Marmelade, Säfte, Einkochen, Einfrieren etc. das gehörte zum Kreislauf des Jahres dazu. Es war undenkbar, dass im Winter Tomaten auf den Tisch kamen auch wenn es die – sogar in meiner Jugendzeit! – ganzjährig zu kaufen gab. Und auchviele der Kräuter, die am Wegesrand wachsen habe ich bereits als Kind kennen gelernt, wenn auch die meisten als lästiges Unkraut, das es im Garten auf den Beeten auszurupfen galt.

Trotzdem – oder vielleicht auch grade deswegen – war ich schon immer der Ansicht, dass es kein Unkraut gibt. Allenfalls Kräuter, die an Stellen wachsen, an denen sie unerwünscht sind. Je älter ich werde, um so liebevoller betrachte ich diese Pflanzen, freue mich über jede kleine Blüte, besonders wenn ich etwas entdecke, das ich schon lange nicht mehr, oder noch nie, gesehen habe. Und ich schlage jedes Jahr immer wieder auf’s Neue in Bestimmungsbüchern nach, weil ich so viel vergesse – und ärgere mich genau deswegen. 😉

Mitte der 90er fing ich an, die Welt um mich her mit Hobbitaugen zu betrachten, also was lässt sich zu etwas Essbarem verarbeiten… und es gibt so viele köstliche Dinge zu entdecken. Für Recherchen bietet sich das Internet an, da Wildkräuter (der nettere Ausdruck) schon eine Weile im Trend sind und es gibt wirklich schöne Bücher, die bei der Bestimmung der Pflanzen helfen und mit Rezepten aufwarten, die abseits des normalen Supermarkt-Bioladen-Küchentisch-Mainstreams sind. Oh, offensichtlich sind meine Bücher schon antiquarisch…

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So habe ich – mit Unterstützung des besten aller Kerle – mit Löwenzahnhonig bekonnen.  Dazu werden die Köpfe von Löwenzahn, an einem sonnigen Tag geerntet, benötigt. Etwa ein Messbecher (1l) auf 1 kg Zucker. Die meisten Seiten im Netz empfehlen, nur die gelben Blütenblätter zu nehmen und sie aus den grünen Kelchen zu zupfen. Das werde ich mit einer zweiten Charge mal testen. Ich habe die kompletten Blütenkörbchen in Wasser aufgekocht und kurz köcheln lassen. Das ganze abgeseiht und auf ein Liter Flüssigkeit aufgefüllt (mit 200 ml Tee aus frischer Wasserminze – aber das hatte am Ende keinen geschmacklichen Einfluss) und mit 1 kg Zucker zu einem Sirup eingekocht.

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Das sah soooo toll aus. Doch ich war etwas zu ungeduldig und habe es zu früh abgefüllt, so dass der Sirup eher ein Süppchen war. Aber LECKER! Wir haben dann alles nochmal aufgekocht und stärker eingedickt. Da gehört wohl ein wenig Fingerspitzengefühl dazu – denn jetzt sind es eher sowas wie Bonbons. Und immer noch lecker.

Da wir ja nun schon eine gute Quelle für Löwenzahn hatten, haben wir gleich noch geschlossene Knospen mitgenommen, um sie in so etwas ähnliches wie Kapern zu verwandeln. Ich liebe Kapern. Da gibt es wohl nicht viel dazwischen, entweder das oder man hasst sie. Ich wollte schon immer mal versuchen, das zu machen, was nicht mehr „deutsche Kapern“ genannt werden darf, und meine Omi als sehr lecker bezeichnet hat: Kapern aus einheimischen Blütenknopsen. Also heute mit Löwenzahn. Die Knospen sollten noch fest geschlossen sein und bekommen über Nacht zunächst ein Bad in Kochsalz. Am nächsten Tag wird das Salz dann gut abgespült und die Früchte (die sich witzigerweise teilweise etwas geöffnet haben) in Essig mit Pfefferkörnern und ggf. Estragon (mag ich nicht, hatte ich nicht hier) aufgekocht und in Gläser abgefüllt. Ich bin sehr gespannt, wie sie schmecken werden.

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Das dritte Experiment dieser mittäglichen Hunderunde war ein Pesto aus Giersch, Brennesselblättern, Knoblauchrauke und ein wenig Beinwell. Das spukte in meinem Kopf herum, seit ich gelesen habe, dass Giersch schmeckt wie junge Möhren. Ich habe zudem geröstete Sonnenblumenkerne, ein paar Paranüsse und ein wenig Hefeflocken (für den käsigen Geschmack) mit hinein getan und das ganze dann mit Olivenöl im Vitamix durchgenudelt. Ergebnis war dezent krautig im Geschmack, aber es oxidiert schneller als ich es abfüllen konnte. Und soviel Grufti bin ich nicht, dass ich gerne schwarzen Brotaufstrich habe. Also immer schön Öl oben drauf schütten, wenn ich etwas von dem Pesto entnommen habe.

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Das war es für heute mit meiner Aktion Unkrautvernichten auf die einzig wahre Art… Ideen für weitere Projekte habe ich auch schon… Apfelblütengelee z.B. und Wildkräutersalz. Aber dieses Wochenende steht erstmal selbstgemachtes Gemüsebrühpulver auf dem Programm.

Aloha … wünscht Eure Anke

Autor: Frau hUhn

Ein Pilger bin ich. Chaos begleitet meine Wanderung.

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