Casa Udel

Welcome to the Huhniverse

Vom Gewinnen und Besiegen…

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Habe ich Euch eigentlich erzählt, dass ich was gewonnen habe? Nein? Naja, eigentlich wollte ich erst gar nicht berichten. Obwohl ich mich – ob der Tatsache, dass ich ein Gewinner war, ja sogar den 1. Preis gewonnen hatte – wahnsinnig gefreut habe. Aber das mit der Umsetzung hat so überhaupt nicht funktioniert, was zum Teil organisatorische Gründe hatte, durch meinen angeschlagenen inneren Schweinehund nicht einfacher wurde. Hier nun meine Geschichte:

Anfang November rief mich eine nette Person an, um mir mitzuteilen, ich hätte den ersten Preis bei dem Kreuzworträtsel gewonnen: 30 Tage Mitgliedschaft im Therapie- und Trainingszentrum Fun & Physio in Wetter. Ich war total baff, hatte ich längst nicht mehr an dieses Kärtchen, das als Wurfsendung bei uns im Haus gelandet war, gedacht. Die Preisausschreiben/Gewinnspiele oder wie auch immer das korrekt bezeichnet wird, an denen ich teilgenommen habe, sind sehr überschaubar. Und warum ich das Ding a) ausgefüllt habe und b) dann sogar in den Briefkasten warf, wird mir auf immer ein Rätsel bleiben. Aber … *Trommelwirbel* … ich hatte den Hauptgewinn bekommen. Und das freute mich ganz außerordentlich.

Von den Lebensbereichen, in denen ich derzeit mit Baustellen zu kämpfen habe, ist die Sache mit der körperlichen Fitness eine nicht grade kleine. Einnahme und Absetzen verschiedener Medikamente im vergangenen Jahr, Wechseljahre, Bewegungseinschränkungen aufgrund von Verletzungen und Schmerzen, all das lässt mich mit meinem Körper sehr unfroh sein. Also war ich nicht nur über die Tatsache, ein Gewinner zu sein, happy, sondern auch über die Möglichkeit, einen ganzen Monat in einem Studio zu trainieren, dass schon im Namen mit „Physio“ wirbt. So war ich guter Dinge, dass ich mit meinen diversen Zipperlein dort gut aufgehoben sein würde.

Und das war ich, voll und ganz. Am ersten Termin wurde ich von einer Trainerin ausführlich befragt. Was ich persönlich sehr angenehm fand war, dass es keine Sportstudentin war, sondern jemand in meinem Alter, da fällt Offenheit zu körperlichen Probleme – mir zumindest – leichter. Die Anamnese war sehr umfangreich und spezifisch. Ich hatte die Wahl zwischen verschiedenen Trainingszielen: mein Thema natürlich „Rücken&Gelenke“. Schon im ersten Gespräch viel auf, dass eine individuelle Betreuung hier im Fokus steht, wurde doch sofort Rücksicht nicht nur auf die „Gebrechen“ gelegt, wie ich das in einem Studio erwartet habe, sondern auch meine (anatomischen, physiologischen, technischen) Vorkenntnisse wurden direkt anerkannt und mir so stundenlange Erläuterungen erspart. Das ist leider nicht selbstverständlich.

Im Anschluss wurde die Kraft einzelner Muskelgruppen (unterer Rücken, Brust, Bauch etc.) die für den Halteapperat wichtig sind, getestet und mir im Anschluss eine Einweisung auf die Geräte gegeben. Seit ich 2003 das letzte Mal ein Studio von innen gesehen habe, hat sich dann doch einiges geändert. Und noch viel mehr seit meiner aktiven Fitnesszeit (ich überlege die ganze Zeit, ob ich Euch das Foto von mir zeige… 1989 … im neongrünen Badeanzug) als ich vor allem mit Hanteln trainiert habe. Heute schiebe ich eine Chipkarte in das Gerät und das stellt meine optimale Sitzposition und den letzten genutzten Widerstand ein. Praktisch. Diese beiden Parameter hat meine Trainerin auch sehr genau auf meinen kaputten Rücken und die akuten Schulterprobleme angepasst, so dass ich zwar effektiv aber schmerzfrei und sicher meine Übungen machen konnte.

Nach der Hälfte des Monats haben wir uns dann erneut getroffen und ich bekam eine Einweisung in das fle.xx-Konzept. Ein Training zur Steigerung der Beweglichkeit. Das ist mein absolutes Highlight. Mit Unterstützung von Geräten wird Muskulatur aktiv gedehnt, von der wir mit unserem sitzenden Leben schon lange nichts mehr wissen. Auch hier standen meine aktuellen körperlichen Baustellen wieder im Mittelpunkt der Auswahl.

Nun ist der Monat rum und ich schaue zurück … und habe von den 30 Tagen tatsächlich nur vier genutzt. Was – wie ihr nach der Vorrede sicherlich vermutet – nicht an der Qualität des Studios liegen kann. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bedanken für den guten Service und die sehr nette Betreuung – wenn es ohne Auto erreichbar gewesen wäre, hätte ich meinen Schweinhund womöglich ein paar Mal öfter niederkämpfen können. Doch ohne fahrbaren Untersatz… Vielleicht hätte er auch trotzdem gewonnen.

Eigentlich habe ich Fitnesstraining an Geräten immer geliebt. Ich steh nicht auf Gruppendynamik im Sport und in diesen Kursen, in denen „los… einmal noch … ihr schafft das… jetzt!“ gemeinsam geschwitzt wird, fühle ich mich gedemütigt und bloßgestellt. Mit einer Hantel in der Hand oder an der Beinpresse konnte ich meine Stärke – wortwörtlich – einsetzen. Und damit auch rasche Fortschritte erzielen. Deswegen hatte ich mich auch so sehr als Gewinner gefühlt. Hey, 1. Preis! Aber vielleicht sind meine Fitness-Studio-Zeiten vorbei. Nicht, weil ich zu alt bin (an einem Morgen war ich mit Abstand die Jüngste dort). Ich mag es nicht mehr, so sehr mit mir selbst im Wettbewerb zu stehen, noch ein Kilo, noch zwei Wiederholungen. Das hat mich früher bei der Stange gehalten und motiviert. Heute fühlt sich das falsch an, zu mechanisch… der Weg, der Prozess ist mir wichtiger geworden, als das Ziel.

Lacht ruhig, das Scheppern von Metall und das laute Stöhnen beim Bankdrücken fehlt mir auch irgendwie. Es läuft die ganze Zeit Dudelradio und es duftet nach dezentem Raumspray statt nach dreckigem Schweiß und überall wird sich eingeloggt, angemeldet, pulsgemessen, individualisiert. Das ist super. Aber nicht mein Ding. Heute würde ich auch nicht mehr in eine miefige Muckibude wollen. Es ist eine Erinnerung, die im Rückblick viel strahlender ist als sie tatsächlich war. Immerhin habe ich es aufgegeben, weil ich die Quälerei unsinnig fand… (ich beendete meine Diät und eine angestrebte Karriere im Fitnesssport übrigens für die legendäre Walnuss-Sahne-Torte meines Cousins).

Sport funktioniert nur, wenn er Spaß macht, er etwas zurück gibt. Und das hat er in diesem Falle nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich das so feststellen konnte – und nicht erst viel Geld für einen Vertrag ausgeben musste.

Mein Resümee? Der Gewinn hat mich sehr gefreut. Das Fun&Physio in Wetter ist toll mit netten und guten Leuten. Ich habe seit langem nochmal Muskelkater gehabt – und ihn genossen. Ich werde mich allerdings mit Freuden wieder den Zombies zuwenden und als Runner five die Welt retten. Außerdem ist Zeit, etwas Neues zu lernen und ich freue mich darauf… es gibt so viel, das genau das vereint, was ich mir vorstelle.

Mein Ziel? Mit 78 in der Fußgängerzone oder dem Stadtpark Tai Chi oder etwas ähnliches zu machen… lächelnd.

Autor: Frau hUhn

Ein Pilger bin ich. Chaos begleitet meine Wanderung.

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